Vor drei Wochen besuchte ich einen Workshop zum Thema “Design Thinking” in Frankfurt am Main. Veranstalter war Tobias Theel von Innoversität. Aber was ist Design Thinking eigentlich genau?

Bisher kannte ich Methoden um bestehende Ideen für Produkte und Dienstleistungen systematisch zur Marktreife zu entwickeln. Hier sei auf Business Model Generation (Canvas), Value Proposition Design und Lean Start up hingewiesen.

Design Thinking – Prozess:
Bildergebnis für design thinking prozess

Hasso Plattner Institut

Das Prinzip von Design Thinking ist, mit einer These sofort in die Kundenkommunikation zu gehen um evtl. Probleme oder Bedürfnisse heraus zu finden bzw. zu konkretisieren, sie also zu VERSTEHEN. D. h. der Interviewer hat sich im Vorfeld mit einer Grundsatzfrage zu beschäftigen. Für welches Sachgebiet/Bereich könnten Produkte und Dienstleistungen nachgefragt werden, die zu einer Verbesserung bzw. Sättigung von Kundenbedürfnissen beitragen? Welche im besten Falle auch zu monetären Einkünften führen können. Man kann an dieser Stelle festhalten, dass wir keine effektive Idee haben, sondern nur ein “Feld” bestimmen, dass es nun zu “beackern” gilt.

Wir haben uns auf den Wohnbereich unserer potenziellen Interviewpartner festgelegt und sind mit einer konkreten Frage in den Praxistest gegangen, also in die frankfurter Fußgängerzone und haben nichtsahnende Passanten angesprochen, also um zu BEOBACHTEN.

  • Stellen Sie sich vor, sie sind zuhause. Wo ist Ihr bevorzugter Platz, an dem Sie sich am wohlsten fühlen?
    • Im Wohnzimmer auf dem Sofa.
  • Wenn Sie nun an Ihren Lieblingsplatz denken, was kann zur weiteren Verbesserung Ihres Wohlbefindens beitragen? (es ergaben sich die unterschiedlichsten Antworten)
    • mehr Platz
    • größerer Fernseher
    • Hängematte
    • direkter Zugriff auf die Playstation inkl. Getränkehalter und Chipsbox
    • hell und ruhiger Rückzugsort
    • Ausgleich der unterschiedlichen Temperaturempfindung von Mann und Frau
    • Abnahme von lästigen Alltagstätigkeiten wie putzen, waschen, bügeln
    • etc.

Die Liste kann noch beliebig weitergeführt werden. Interessant ist nun, aus den Antworten Signale zu erkennen und diesen Themen auf den Grund zu gehen, kurz gesagt den STANDPUNKT DEFINIEREN.

  • Warum mehr Platz, was würden Sie mit mehr Platz machen?
  • Warum eine Hängematte? Warum im Wohnzimmer, welche Vorteile hat dieser Ort?
  • Welche Auswirkung hat das Temperaturempfinden und was wünschen Sie sich konkret?
  • Was genau soll abgenommen werden? Was passiert derzeit und ist störend?
  • etc.

Mit diesen Erkenntnissen kann sich das Team nun zurückziehen. Es sind weitere, tiefgründigere Gedanken über eine sich evtl. schon herauskristallisierte Zielperson/-kunden und dessen grundlegendes Problem/Bedürfnis zu machen.

Liegen neue Erkenntnisse vor, sind diese wiederum mittels Kundenbefragung zu verifizieren. Das wird so lange wiederholt bis man für ein Problem bzw. Bedürfnis eine IDEE GEFUNDEN hat.

Danach greifen die bereits oben erwähnten Methoden zur Erlangung eines Prototyps, dem sog. MFP (= minimal funktionierendes Produkt). Auch dieses Produkt oder in anderen Fällen eine Dienstleistung ist mit dem Zielkunden im direkten Kontakt zu testen und mittels Feedbackschleife solange zu verbessern, bis ein markttaugliches Ergebnis vorliegt. In dieser Phase überschneiden sich die genannten Methoden; kommen aber alle zum gleichen Ergebnis. Ein markttaugliches Produkt oder Dienstleistung bzw. Service, welche mit Unterstützung der early adopters entwickelt wurden.

Mit einem MFP können wir uns nun mit der Business Model Canvas weitere Themenfelder, wie z.B. Kundensegmente, Vertriebskanäle, Kundenbeziehungsmanagement, Ertragsquellen und alle Kostenfaktoren erarbeiten.

Das soll es erstmal gewesen sein mit den Informationen zu Design Thinking.

bei der Problemkonkretisierung