Eine Idee zu haben ist nichts, was man sich mal so im Vorbeigehen vornehmen kann. Eine Idee kommt wann es ihr passt – und ob sie dann auch noch gut ist entscheidet meist auch nicht ihr Finder, Denker oder Entdecker.

Manchmal spring uns eine Idee mit dem nackten A… ins Gesicht und wir merken es nicht einmal. Das ist der Idee aber egal. Sie ist deswegen nicht weg, sie sucht sich einfach eine andere Person, die sie anspringt, in der Hoffnung als Idee erkannt und beachtet zu werden.

Bezogen auf das Geschäftsleben sind Ideen meist Lösungen für Probleme. Das können Varianten von bereits gelebten Lösungen oder ganz neuen, innovativen Lösungen bzw. Ideen sein. Nehmen wir das Telefon. Es war damals eine – mehr noch – die einzige Lösung für ein Problem in der Kommunikation. Daneben sind die Beispiele Xing und LinkedIn vergleichbare Lösungen für dasselbe Problem aber in zwei unterschiedlichen Varianten. Der Nutzer entscheidet, welche der beiden für ihn die bessere ist.

Meist resultieren Ideen, egal ob schlechte oder gute aus dem Mangel an etwas. Es fehlt an Licht in der Dunkelheit (= Mangel). Diesem Mangel begegnen wir seit der Steinzeit mit Feuer in seiner unterschiedlichsten Ausprägung; als Lagerfeuer, Kerze, Kaminfeuer bzw. seit Edison mit einer Glühbirne (= Lösungen in unterschiedlichen Varianten).

Leider wird heutzutage einer Idee immer gleich ein Wert beigemessen. „Mit dieser Idee kann man reich werden!“, heißt es häufig in Gründerkreise. Anfangs ist es aber egal ob die Idee reich macht. Diese Prämisse ist im späteren Verlauf durchaus wichtig aber in der Entwicklung beeinflusst dieses Ziel den oder die Ideeentwickler nur in ihrer Kreativität.

In der Fachpresse liest man häufig die X Gründe für eine gute Geschäftsidee. Hier eine Auswahl:

  • Eine Idee sollte immer vom Kundennutzen ausgehen, d.h. sie löst ein echtes Problem der Zielgruppe – und das erstmalig bzw. besser (also einfacher, schöner, gesünder, preiswerter etc.) als bisher üblich;
  • passt zum Gründer und zu seinen Kernfähigkeiten und Neigungen, weckt seine Begeisterung und erfüllt ihn mit Sinn;
  • lässt sich mit einfachen Mitteln testen und schrittweise umsetzen. Wenn möglich können auch Kundenbefragungen bei der Entwicklung weiterhelfen;
  • bietet die Chance, seinen Wettbewerbern das Leben schwer zu machen: sei es durch technische Innovationen und Patente, oder auch durch ein sehr tiefes Kundenverständnis und neuartige Kombinationen und Kooperationen mit anderen spezialisierten Geschäftspartnern;
  • natürlich muss eine Idee am Ende des Tages skalierbar sein. D.h. sie bietet die Chance, durch Wachstum die Profite zu steigern. Hier kommt dann die Frage nach dem Geld

Ich bin der Meinung, dass sich alle Gründe zu einem klaren Statement verdichten lassen:

Wenn Du Deinen Kunden absolut kennst, weißt Du genau, wie die Idee aussehen soll!

Ob mit der Idee dann wirklich Geld verdient werden kann, hängt nicht von irgendeiner berechneten Skalierbarkeit ab, sondern einzig bei wieviel Kunden der Bedarf nach dieser Idee geweckt werden kann. Daraus folgt die zweite Verdichtung:

Wenn Du bei Vielen den Bedarf wecken kannst, lässt sich viel Geld verdienen!

oder

Gibt es nur bei wenigen den Bedarf, muss über die Exklusivität mit hohem Preis der Verdienst gesteigert werden.

Also, zuerst an den Kunden denken, in ihn hineinversetzen und sein Leben leben. Am besten funktioniert das mit einem Avatar, der sogar einen Namen, Alter, Aussehen, Familie, Job und soziales Umfeld hat. Eine weitere Möglichkeit Kundenbedarfe zu ermitteln sind schlichte Kundenbefragungen. Geht es um Produkte für z.B. Industrieanlagen, dann ist der vorzustellende Kunde die Firma, die Geschäftsleitung, der Mitarbeiter und evtl. auch der jeweilige Endkunde.

Aus dem genannten ist für einen Investor ganz klar eine Frage im Kennenlerngespräch unumgänglich: „Lieber Visionär, beschreiben mir mal deinen Kunden.“ Alternativ könnte auch gefragt werden: „Was meinst Du, ist Deine Idee wert?“ Wird die zweite Frage detailliert beantwortet, hat der Visionär evtl. mit dem falschen Thema begonnen.